{"id":1506,"date":"2025-06-15T17:08:27","date_gmt":"2025-06-15T15:08:27","guid":{"rendered":"https:\/\/stiftung-gewaltfreies-leben.de\/?page_id=1506"},"modified":"2025-07-30T17:09:53","modified_gmt":"2025-07-30T15:09:53","slug":"wie-empathie-und-klassenbewusstsein-zusammenhaengen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stiftung-gewaltfreies-leben.de\/index.php\/blog-marisa\/wie-empathie-und-klassenbewusstsein-zusammenhaengen\/","title":{"rendered":"WIe Empathie und Klassenbewusstsein zusammenh\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"1506\" class=\"elementor elementor-1506\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-da27426 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"da27426\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-3aaeca3\" data-id=\"3aaeca3\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-0057199 elementor-invisible elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"0057199\" data-element_type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;_animation&quot;:&quot;zoomInRight&quot;}\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div><div dir=\"auto\">Immer wieder wird betont, dass die Herausbildung eines Klassenbewusstseins ein entscheidendes Kriterium daf\u00fcr ist, eine breite Massenbasis zu schaffen, die sich des Widerspruchs zwischen Kapital und Arbeit bewusst wird \u2013 und sich gemeinsam f\u00fcr kollektivistische Interessen sowie die \u00dcberwindung der bestehenden Klassengesellschaft einsetzt. Diese Einsch\u00e4tzung ist absolut richtig.<\/div><\/div><div><div dir=\"auto\">Doch ein solches Bewusstsein ist nur dann tragf\u00e4hig, wenn es auf einer grundlegenden F\u00e4higkeit zur Empathie beruht \u2013 insbesondere gegen\u00fcber jenen innerhalb der eigenen Klasse, die sozial und \u00f6konomisch schlechter gestellt sind als man selbst. Die Arbeiterklasse ist keine homogene Masse. Innerhalb dieser Klasse gibt es enorme Unterschiede: in Einkommen, Bildung, Lebensrealit\u00e4ten und im Ausma\u00df des Betroffenheitsgef\u00fchls durch asymmetrische Macht- und Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse.<\/div><\/div><div><div dir=\"auto\">Gerade jene, die sich in vergleichsweise stabilen oder &#8222;besseren&#8220; Positionen innerhalb der Arbeiterklasse befinden, neigen nicht selten dazu, sich bewusst von den noch schlechter Gestellten abzugrenzen \u2013 oftmals durch den illusion\u00e4ren Gedanken , \u201ees geschafft zu haben\u201c. Diese Abgrenzung wird durch gesellschaftliche Narrative gest\u00fctzt, die Armut als individuelles Versagen darstellen. Jahrzehntelange neoliberale Ideologie hat tiefgreifend vermittelt: Wer arm ist, tr\u00e4gt selbst die Verantwortung \u2013 sei es durch \u201eFaulheit\u201c, \u201eBildungsferne\u201c oder \u201eFehlentscheidungen\u201c.<\/div><\/div><div><div dir=\"auto\">Dabei werden strukturelle Ursachen systematisch ausgeblendet: Der Einfluss sozialer Herkunft auf Bildungs- und Berufschancen, der Ausschluss durch chronische Krankheit oder Behinderung, rassistische Diskriminierung, geschlechtsspezifische Benachteiligungen und andere systemische H\u00fcrden werden \u00fcbersehen oder geleugnet. Stattdessen wird eine Illusion von Chancengleichheit verbreitet, die faktisch nicht existiert.<\/div><\/div><div><div dir=\"auto\">Chancengleichheit in einer Klassengesellschaft ist eine Fiktion. Ja, viele dieser Ungleichheiten sind tief im System verankert \u2013 aber nicht alle H\u00fcrden sind ausschlie\u00dflich systembedingt. Es wird immer Menschen geben, die mehr tragen m\u00fcssen als andere: psychisch, physisch, sozial. Das Mindeste w\u00e4re, ihre Erfahrungen anzuerkennen und ihre Perspektiven in kollektive Prozesse mit einzubeziehen.<\/div><\/div><div><div dir=\"auto\">Ein solidarisches Klassenbewusstsein erfordert daher mehr als nur das Erkennen des widerspr\u00fcchlichen Verh\u00e4ltnis zwischen Kapital und Arbeit. Es braucht auch die Einsicht, dass die eigenen M\u00f6glichkeiten stets in direkter Relation zu systemischen Rahmenbedingungen stehen \u2013 und dass pers\u00f6nliche Privilegien von Mitgliedern der Arbeiterklasse nur dann einen wirklichen gesellschaftlichen Wert haben, wenn sie keine exklusiven Vorteile bleiben, sondern zur neuen Normalit\u00e4t f\u00fcr alle werden.<\/div><div dir=\"auto\">Denn man profitiert langfristig nicht davon, wenn andere ausgegrenzt, entrechtet oder entwertet werden. Im Gegenteil: Die Fragmentierung innerhalb der Arbeiterklasse schw\u00e4cht deren politische Schlagkraft.<\/div><\/div><div><div dir=\"auto\">Bezeichnenderweise zeigen viele Menschen mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Sorgen der Superreichen, die ihre absurden Privilegien sch\u00fctzen wollen, als f\u00fcr die existenziellen \u00c4ngste jener, die t\u00e4glich ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen. Sie identifizieren sich eher mit jenen oben als mit denen, die n\u00e4her an ihrer Realit\u00e4t sind, aber noch weniger haben \u2013 weil sie sich selbst nicht als arm, sondern als &#8222;noch nicht reich&#8220; begreifen. Weil sie durch mangelnde Empathie sich nicht in die Lage jener hineinversetzen wollen, oft auch verbunden mit dem Gedanken, dass die eigenen Privilegien nur dann aufrechterhalten werden k\u00f6nnen, wenn andere deutlich zu wenig haben.<\/div><\/div><div><div dir=\"auto\">Ein treffendes Bild f\u00fcr diese Dynamik ist das eines gro\u00dfen Flugzeugs, in dem alle Mitglieder der Arbeiterklasse sitzen. Einige k\u00f6nnen sich vielleicht mehr Beinfreiheit leisten, eine bessere Mahlzeit oder einen bequemeren Sitz \u2013 aber sie sitzen im selben Flugzeug. Wenn der Pilot, die besitzende Klasse, entscheidet, den Kurs in Richtung Katastrophe zu steuern, und sich zuvor mit dem Co-Piloten \u2013 der Politik \u2013 mit dem Fallschirm rettet (falls sie nicht sogar selbst mit ins Verderben st\u00fcrzt), n\u00fctzt auch die bequemere Sitzklasse nichts. Am Ende trifft der Aufprall alle.<\/div><\/div><div><div dir=\"auto\">Solidarit\u00e4t bedeutet also nicht nur, gemeinsame Interessen zu erkennen, sondern sich auch \u00fcber Unterschiede hinweg zu verb\u00fcnden \u2013 gerade weil die Unterschiede real sind. Sie d\u00fcrfen jedoch kein Hindernis sein, sondern m\u00fcssen zum Ausgangspunkt f\u00fcr ein radikales, inklusives Klassenbewusstsein werden.<\/div><\/div>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-3370c36 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"3370c36\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-6de3491\" data-id=\"6de3491\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-8a50f11 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"8a50f11\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p style=\"text-align: right;\">Datum: 15. Juni 2025<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-2012d45 e-grid-align-left elementor-grid-1 elementor-shape-rounded elementor-invisible elementor-widget elementor-widget-social-icons\" data-id=\"2012d45\" data-element_type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;_animation&quot;:&quot;zoomInUp&quot;}\" data-widget_type=\"social-icons.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-social-icons-wrapper elementor-grid\">\n\t\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-grid-item\">\n\t\t\t\t\t<a class=\"elementor-icon elementor-social-icon elementor-social-icon-facebook elementor-animation-pop elementor-repeater-item-9a7555e\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php?id=100087309576070\" target=\"_blank\">\n\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-screen-only\">Facebook<\/span>\n\t\t\t\t\t\t<i class=\"fab fa-facebook\"><\/i>\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-5b291f2 elementor-invisible elementor-widget elementor-widget-html\" data-id=\"5b291f2\" data-element_type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;_animation&quot;:&quot;zoomInUp&quot;}\" data-widget_type=\"html.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<script async defer crossorigin=\"anonymous\" src=\"https:\/\/connect.facebook.net\/de_DE\/sdk.js#xfbml=1&version=v15.0&appId=1303074663797403&autoLogAppEvents=1\" nonce=\"DHhOO0Bo\"><\/script>\n<div class=\"fb-post\" data-href=\"https:\/\/www.facebook.com\/permalink.php?story_fbid=pfbid0KPoh8C2s5ZvaSxFzoyQw2CRvZAQeeK8KVDJPB6HvocMVHroTtmiFwYKWHQJpxCA8l&amp;id=100087309576070\" data-width=\"750\" data-show-text=\"true\"><blockquote cite=\"https:\/\/www.facebook.com\/permalink.php?story_fbid=102985589288427&amp;id=100087309576070\" class=\"fb-xfbml-parse-ignore\"><p>Hey \ud83d\ude42 Danke schon Mal, dass ihr der Einladung gefolgt seid. Ich hab bisher kaum jemanden eingeladen, gerade ist der...<\/p>Gepostet von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/people\/Marisa-Blog-Stiftung-Gewaltfreies-Leben\/100087309576070\/\">Marisa Blog - Stiftung Gewaltfreies Leben<\/a> am&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/permalink.php?story_fbid=102985589288427&amp;id=100087309576070\">Donnerstag, 27. Oktober 2022<\/a><\/blockquote><\/div>\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder wird betont, dass die Herausbildung eines Klassenbewusstseins ein entscheidendes Kriterium daf\u00fcr ist, eine breite Massenbasis zu schaffen, die sich des Widerspruchs zwischen Kapital und Arbeit bewusst wird \u2013 und sich gemeinsam f\u00fcr kollektivistische Interessen sowie die \u00dcberwindung der bestehenden Klassengesellschaft einsetzt. 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