{"id":1115,"date":"2023-05-22T11:06:24","date_gmt":"2023-05-22T09:06:24","guid":{"rendered":"https:\/\/stiftung-gewaltfreies-leben.de\/?page_id=1115"},"modified":"2023-07-20T23:46:33","modified_gmt":"2023-07-20T21:46:33","slug":"die-geschichte-der-psychiatrie-eine-geschichte-der-gewalt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stiftung-gewaltfreies-leben.de\/index.php\/blog-marisa\/die-geschichte-der-psychiatrie-eine-geschichte-der-gewalt\/","title":{"rendered":"Die Geschichte der Psychiatrie &#8211; eine Geschichte der Gewalt"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"1115\" class=\"elementor elementor-1115\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-da27426 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"da27426\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-3aaeca3\" data-id=\"3aaeca3\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-0057199 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"0057199\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>\u00a0Geschichte Der Psychiatrie \u2013 Eine Geschichte der Gewalt Teil 1<\/p><p>Die Auffassung psychischer Krankheiten unterlag stets den Einfl\u00fcssen von Ort und Zeit. In verschiedenen Kulturen und Epochen existierten unterschiedliche Herangehensweisen im Umgang mit Menschen, die als psychisch krank angesehen wurden. Bereits in der Fr\u00fchgeschichte, beispielsweise im antiken Mesopotamien oder im alten \u00c4gypten, wurden Ma\u00dfnahmen ergriffen, um mit als &#8222;wahnsinnig&#8220; deklarierten Personen umzugehen. Dabei wurden Verbindungen zu G\u00f6ttern und D\u00e4monen hergestellt, und Priester\u00e4rzte setzten Rituale, Amulette und Beschw\u00f6rungsformeln zur Behandlung ein. \u00dcber lange Zeit hinweg war die Interpretation psychischer Krankheiten stark mit religi\u00f6sen Vorstellungen verbunden, was auch im europ\u00e4ischen Mittelalter der Fall war. Dort begann man erste Ans\u00e4tze zu entwickeln, um psychische Krankheiten systematisch zu erfassen, wie beispielsweise die Lehre der &#8222;Viels\u00e4fte&#8220;. Dennoch wurde psychische Krankheit weiterhin als Resultat d\u00e4monischer Einfl\u00fcsse angesehen. In der fr\u00fchen Neuzeit trug diese Denkweise mit bei zur sogenannten \u201eHexenverfolgung\u201c, bei der Beschuldigten Einfluss von D\u00e4monen oder dem Teufel vorgeworfen wurde. Im 17. Jahrhundert begann man laut Focault als psychisch krank Gebranntmarkte von der Gesellschaft wegzusperren. Dieses System war stark repressiv.<\/p><p>Die Geschichte der modernen Psychiatrie geht zur\u00fcck auf das 18. Jahrhundert. Man st\u00f6\u00dft bei Recherchen zur Geschichte der modernen Psychiatrie in Europa unweigerlich auf den Namen des Franzosen Philippe Pinel (1745-1826). Die Franz\u00f6sische Revolution und das Zeitalter der Aufkl\u00e4rung markierten einen Wendepunkt im Verst\u00e4ndnis und der Behandlung psychischer Krankheiten. Dabei wurden die Vorstellungen von Besessenheit und S\u00fcndhaftigkeit als Ursachen f\u00fcr seelische Auff\u00e4lligkeiten weitgehend abgel\u00f6st. Pinel wurde zum Direktor des &#8222;H\u00f4pital de la Salp\u00eatri\u00e8re&#8220; in Paris, einer der bekanntesten psychiatrischen Anstalten Europas seiner Zeit. Er wird damit in Verbindung gebracht die Grundlagen der modernen psychiatrischen Diagnostik mitbegr\u00fcndet zu haben. Er kam zu der Schlussfolgerung, dass auch psychische Erkrankungen einer analytischen Herangehensweise bed\u00fcrfen und einer systematischen Untersuchung sowie Methodik unterzogen werden m\u00fcssen und nicht mit dem christlich-religi\u00f6sen Verst\u00e4ndnis von S\u00fcnde verwechselt werden sollten. Laut Focault waren seine Methoden jedoch nicht weniger repressiv als \u00e4ltere Methoden. Seine Bem\u00fchungen waren weniger darauf ausgerichtet, die Krankheit zu behandeln, sondern \u00a0zielten vielmehr darauf den Kranken in die gesellschaftliche Norm zu integrieren, ihn in die Arbeitswelt zu integrieren und ihn den vorherrschenden patriarchalischen moralischen Vorstellungen zu unterwerfen.<\/p><p>Die Geschichte der europ\u00e4ischen Psychiatrie und die Entwicklung des Kapitalismus sind nicht nur zeitlich eng miteinander verbunden. Im Zuge des Aufstiegs des Kapitalismus im 18. und 19. Jahrhundert erlebte Europa einen tiefgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Wandel. Dieser Wandel hatte auch Auswirkungen auf die Vorstellungen und den Umgang mit psychischer Krankheit.<\/p><p>Mit der Entstehung des Kapitalismus entwickelte sich eine neue soziale Ordnung, die individuelle Leistungsf\u00e4higkeit und Produktivit\u00e4t in den Vordergrund stellte. Arbeitskraft und Arbeitsdisziplin wurden zu zentralen Werten, und Menschen, die nicht den Anforderungen des Arbeitsmarktes entsprachen, gerieten zunehmend in den Fokus gesellschaftlicher Ausgrenzung.<\/p><p>Psychische Krankheiten wurden im Kontext des Kapitalismus oft als Hindernis f\u00fcr die Arbeitskraft angesehen. Menschen mit psychischen Erkrankungen galten als &#8222;unproduktiv&#8220; und wurden als St\u00f6rfaktoren betrachtet, die die Effizienz und den reibungslosen Ablauf des kapitalistischen Systems beeintr\u00e4chtigten.<\/p><p>Diese Vorstellungen spiegelten sich auch in den psychiatrischen Ans\u00e4tzen wider. In der Zeit der Industrialisierung wurden psychiatrische Anstalten und Krankenh\u00e4user errichtet, um Menschen mit psychischen Krankheiten zu &#8222;behandeln&#8220; und gleichzeitig aus der Gesellschaft zu exkludieren. Dabei wurde physische und psychische Gewalt angewendet, weil man glaubte durch Einsch\u00fcchterung k\u00f6nnte man Betroffene behandeln.<\/p><p>Dar\u00fcber hinaus trugen die aufkommende medizinische Wissenschaft und die Entwicklung psychiatrischer Theorien dazu bei, psychische Krankheiten als medizinische Ph\u00e4nomene zu definieren und zu klassifizieren. Dies f\u00fchrte zur Entstehung einer professionellen psychiatrischen Disziplin, die sich mit der Diagnose und Behandlung von psychischen St\u00f6rungen befasste, doch stets gro\u00dfen und folgeschweren Irrt\u00fcmern unterlag.<\/p><p>Praktiken die heute als Foltermethoden gelten fanden ihren Einsatz. Menschen, die als \u201egeisteskrank\u201c deklariert wurden, wurden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, wobei die Deklaration des Wahnsinns wie Focault beschreibt einer gesellschaftlichen Konstruktion unterlag. Was als wahnsinnig gilt ist stets davon abh\u00e4ngig, was kontr\u00e4r als vern\u00fcnftig betrachtet wird. Beispielsweise wurde 1935 die erste Lobotomie durchgef\u00fchrt und dies wurde fl\u00e4chendeckend in den meisten Industriestaaten eingesetzt. Dadurch gab es auch einen Ansto\u00df f\u00fcr die Antipsychiatrie-Bewegung. Die grausame und unmenschliche Methode der Lobotomie hatte folgenschwere Auswirkungen auf Betroffene. Mit dem Medikament\u00a0<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Chlorpromazin\">Chlorpromazin<\/a>\u00a0wurde\u00a0 im Jahr 1952 das erste Psychopharmakon massenhaft auf den Markt gebracht. Aufgrund der folgenschweren Nebenwirkungen geriet die Lobotomie bereits Mitte der 50er Jahre in Kritik , allerdings wurde die Methode in vielen L\u00e4ndern bis in die 80er Jahre weiter verwendet, w\u00e4hrend sie in anderen L\u00e4ndern wie der Sowjetunion bereits fr\u00fcher verboten wurde. Dem Erfinder des Verfahrens Ant\u00f3nio Caetano de Abreu Freire Egas Moniz verlieh man sogar einen Nobelpreis f\u00fcr die Entdeckung dieser grausamen und folgenschweren Methode. Heute w\u00fcrde man Forscher, die so etwas vorschlagen wohl keinen Nobelpreis mehr verleihen, trotzdem ist die psychiatrische Schulmedizin weiterhin von gesellschaftlichen Normen und einem starken materialistischen Bezugspunkt abh\u00e4ngig. Auch Medikamention, insbesondere unter Zwang, steht zunehmend in der Kritik, da diese in vielen F\u00e4llen erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen kann. (Trotzdem kann es in manchen F\u00e4llen sinnvoll sein medikament\u00f6s behandelt zu werden.)<\/p><p>Die Geschichte der Psychiatrie, die von vielen Irrt\u00fcmern und Unmenschlichkeiten sowie Gewalt gepr\u00e4gt war, sollte deutlich machen, dass es gerade wenn es um die Psyche von Menschen geht, es zu Fehleisch\u00e4tzungen kommen kann. Nat\u00fcrlich kann trotz berechtigter Kritik, die auch heute noch angewendet werden kann wie z.B. von der Anti-Psychiatriebewegung eine Therapie in station\u00e4rer Form trotzdem in bestimmten F\u00e4llen zu empfehlen sein. Gewalt in Psychiatrie gegen Insassen bleibt allerdings ein Tabuthema, Betroffene werden h\u00e4ufig nicht ernstgenommen und durch Mentalismus und Ableismus in der Gesellschaft oder institutionell diskriminiert. Es darf kein Tabuthema bleiben! In einem weiteren Blogartikel werde ich \u00fcber die Geschichte der Psychiatrie im Zeiten des Nationalsozialismus schreiben.<\/p><p>\u00a0<\/p><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><p>Mariana Barbic (2019) : Von D\u00e4monen und Neuronen \u2013 eine kurze Geschichte der Psychiatrie: <a href=\"https:\/\/www.geschichte-lernen.net\/kurze-geschichte-psychiatrie-antike-bis-moderne\/\">https:\/\/www.geschichte-lernen.net\/kurze-geschichte-psychiatrie-antike-bis-moderne\/<\/a><\/p><p>\u00a0<\/p><p>Michel Focault (1961): Wahnsinn und Gesellschaft<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Burkhard Br\u00fcckner (2014) \u00a0Geschichte der Psychiatrie \u2013 Basiswissen. 2. Auflage \u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Burkhart Br\u00fcckner, Lukas Iwer und Samuel Thoma (2017): Die Existenz, Abwesenheit und Macht des Wahnsinns. Eine kritische \u00dcbersicht zu Michel Foucaults Arbeiten zur Geschichte und Philosophie der Psychiatrie<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-3370c36 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"3370c36\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-6de3491\" data-id=\"6de3491\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-5b291f2 elementor-widget elementor-widget-html\" data-id=\"5b291f2\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"html.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<script async defer crossorigin=\"anonymous\" src=\"https:\/\/connect.facebook.net\/de_DE\/sdk.js#xfbml=1&version=v15.0&appId=1303074663797403&autoLogAppEvents=1\" nonce=\"DHhOO0Bo\"><\/script>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-2012d45 e-grid-align-right elementor-shape-rounded elementor-grid-0 elementor-widget elementor-widget-social-icons\" data-id=\"2012d45\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"social-icons.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-social-icons-wrapper elementor-grid\">\n\t\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-grid-item\">\n\t\t\t\t\t<a class=\"elementor-icon elementor-social-icon elementor-social-icon-facebook elementor-repeater-item-9a7555e\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php?id=100087309576070\" target=\"_blank\">\n\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-screen-only\">Facebook<\/span>\n\t\t\t\t\t\t<i class=\"fab fa-facebook\"><\/i>\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Geschichte Der Psychiatrie \u2013 Eine Geschichte der Gewalt Teil 1 Die Auffassung psychischer Krankheiten unterlag stets den Einfl\u00fcssen von Ort und Zeit. 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